technikum29 

Museum für Computer- , EDV- und Kommunikationstechnik

Beispiele für programmierbare Rechner der 2. Generation

Rechner der 2. Generation hatten noch keine integrierte Schaltkreise. Das erschwerte den Bau leistungsfähiger Rechner erheblich. Daher sind programmierbare Rechner dieser Spezies technisch besonders interessant. Schon 1966 brachte die deutsche Firma DIEHL einen solchen Rechner auf den Markt. Das Betriebsprogramm wird über einen Metall-Lochstreifen "gebootet" (siehe "Speichermedien"), Anwenderprogramme auf Papier-Lochstreifen gestanzt, die wieder eingelesen werden können. Wahrlich die Steinzeit programmierbarer Rechner! Solche Komplett-Anlagen sind sehr rar.

Diehl Combitron

Diehl Combitron

Die Combitron war der erste funktionsfähige programmierbare Tischrechner, der in Deutschland gebaut und vertrieben wurde (1966-68). Hier ist die Combitron-S (1968-71) abgebildet, die zusätzlich 10 Programmspeicher, 10 Konstantenspeicher und 2 Sprungbefehle gegenüber der Combitron hatte. Rechts steht der DIEHL Dilector (Lochstreifenleser) und links der DIEHL ELS 830 (Lochstreifenstanzer), der quasi "online" die Programmeingabe auf der Tastatur in den Lochstreifen stanzt. Das System ist voll funktionsfähig. Als Speichermedium dient ein Laufzeitspeicher (Kapazität ca. 1000 Bit).
Die ersten Combitron-Maschinen waren noch ohne Schnittstelle. Man hatte damit keine Möglichkeit, selbst geschriebene Programme abzuspeichern. Ein Programm konnte jedoch mit einem Zahlencode ausgedruckt werden, den man bei jedem "Neustart" über die Tastatur wieder eingeben musste. Wir haben einen solchen Rechner, der recht selten ist. Schon 1967 wurde über eine eingebaute Schnittstelle ein Lochstreifenleser anschließbar. Nun konnte man selbstgeschriebene Programme an Diehl einsenden. Dort wurden davon Lochstreifen erstellt, die man gegen Bezahlung erwerben zugeschickt bekam. Die Prozedur war sehr umständlich. Erst später wurde schließlich ein Lochstreifenstanzer angeboten, der das eignene Abstanzen von Programmen erlaubte. Der Konkurrent "Olivetti" war hier viel fortschrittlicher:

Olivetti Programma 101

Im selben Jahr (1966) erschien die Olivetti Programma 101 auf dem Markt. Erstmals in der Geschichte der EDV war es für Ingenieurbüros möglich, einen "kleinen" Rechner zu erwerben, auf welchem man schnell eigene Programme auf Magnetkarten abspeichern konnte. Die Maschine mit viel Mechanik wurde zu einem Verkaufsschlager. Billig war dieser Einstieg nicht: Doch der Preis von 14800,- DM + Steuer (ca. 8000,- Euro) machte sich durch Einsparen von viel manueller Rechenzeit schnell bezahlt.

Programma 101

Die legendäre PROGRAMMA 101 von Olivetti.
Man könnte die P 101 auch als ersten Personal-Computer der Welt bezeichnen.
In der Mitte ist die Magnet-Programmkarte zu sehen. Der folgende Link führt auf eine kurze Erläuterung des hier verwendeten Speichermediums, dem Laufzeitspeicher. Der eingebaute magnetostriktive Laufzeitspeicher ist in 10 Register aufgeteilt, wobei jedes Register aus 24 Speicherzellen zu je 8 Bit besteht. Das entspricht ca. 240 Byte Speicherkapazität.

WANG 320

Hochinteressant ist auch der 1967 gebaute wissenschaftliche Rechner "WANG 320". Ein extrem seltenes Gerät mit Lochkartenprogrammierung und mehreren Keyboards, für die damalige Zeit eine Weltsensation.

WANG 320 SE

WANG 320 SE

Für 1966/67 war dies ein Tischrechner der Superlative. Zwei Eigenheiten waren damals sensationell: Die sehr schnelle Ermittlung von Werten zur Exponential- und Logarithmenfunktion (schneller als die Berechnung der Wurzel einer Zahl) sowie die Tatsache, dass bis zu 4 Keyboards angeschlossen werden konnten. Alle Anwender können gleichzeitig auf den Rechner zugreifen. Längere Programme die man per Lochkarte eingibt, werden unterbrochen um kurze Berechnungen von einem anderen Keyboard zu übernehmen. Danach wird das Programm weiter ausgeführt. Ein ideales Gerät für Schulen und Universitäten. Die präparierten 80-spaltigen Lochkarten können offline mit einem Stift auf einer Schablone "gestanzt" werden. Während an den meisten Hochschulen noch mit dem Rechenschieber gerechnet wurde, begann bei den wenigen, die im Besitz dieser Rechner waren bereits die Zeit der Informatik. Durch Anklicken des Bildes erhalten Sie eine Detailaufnahme.

Hewlett Packard HP 9100

HP-9100

HP 9100

1968 brachte der erste Tischrechner von HP die Wissenschaftler zum staunen. Er ist ohne ICs aufgebaut und beherrscht alle wesentlichen wissenschaftlichen Funktionen. Als interner Speicher dient ein Kernspeicher, bei dem auch nach dem Abschalten Programme und Daten nicht verloren gehen. Als externer Speicher werden Magnetkarten (kleiner als die von Olivetti) verwendet. Der aufgesetzte Drucker war optional. Als Anzeigemedium dient eine Oszilloskopröhre, mit welcher der Inhalt von 3 Registern abgebildet wird. Die Zeichengenerierung wird von einem gefädelten ROM übernommen. Mit diesem relativ kompakten Rechner hat HP Maßstäbe gesetzt. Billig war ein solcher Rechner nicht: Er kostete anfangs 23.000,- DM (etwa 12.000 Euro) und war daher für Privatpersonen praktisch unerschwinglich.
Der Hauptkonkurrent WANG konnte erst 2 Jahre später mit dem WANG 700 (s.u.) nachziehen.

HP-9100-Display

Großaufnahme des Bildröhren-Displays vom HP 9100.

Weitere Details erhalten sie auf der tabellarischen Zusammenstellung der Tischrechner