technikum29 

Museum für Computer- , EDV- und Kommunikationstechnik

Lochkartengeräte

Lochkarten sind ein sehr altes Medium, um Daten zu speichern. Man kann sie beschriften, sie sind handlich und schnell sortierbar und haben noch viele andere Vorteile. Daher fanden sie bis in die 80er Jahre Verwendung . Der Hauptumsatz an Lochkarten war wohl in den 60er Jahren zu verzeichnen, als die EDV aufblühte. Die hier aufgeführeten Lochkarten-Peripheriegeräte waren notwendig um effektiv mit EDV-Anlagen arbeiten zu können. Wir stellen daher zunächst die Peripherigeräte und dann die eigentlichen EDV-Anlagen des technikum29 vor.
Aus heutiger Sicht ist die Größe der Geräte, deren Anschaulichkeit und deren teils beeindruckenden Funktion bewundernswert. Im technikum29 rattern noch einige dieser dinosaurierhaften Maschinen.

Lochkartenstanzer

Lochkartenstanzer

Für sehr kleine Betriebe, die nur gelegentlich eine Karte stanzen mussten, reichte der kleine Kartenstanzer unten. In der Mitte befindet sich ein Stanzer von BULL und oben schließlich ein sogenannter "Magnetstanzer", bei welchem die Löcher mit Hilfe eines Elektromagneten gestanzt wurden. Für größere Lochkartenmengen verwendete man die "Motorlocher" (siehe unten), die jedoch erheblich teurer waren.

Ein typischer Maschinenpark bestand aus den Lochkartenstanzern (hier entstand der Beruf der "Locherin"), mit dem die Informationen und Daten auf Karten gestanzt wurden, einem Kartenmischer, der die Karten aus verschiedenen Stapeln (z.B. Adressen, Rechnungen) in die jeweils richtige Reihenfolge brachte, einem Sortierer, der Lochkarten nach vorgegebenen Bedingungen sortieren konnte und eventuell einem Lochschriftübersetzer, der die gestanzte Information als Klartext an eine vorbestimmte Stelle der Lochkarte schrieb.

IBM 029 und Juki

IBM 029 und JUKI Lochkartenstanzer.

Links im Bild ist der legendäre IBM 029 zu sehen (gebaut ab 1964), rechts der praktisch identische JUKI Stanzer (Made in Japan). Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig: 1971 brachte IBM den Lochkartenstanzer Typ 129 heraus, der den Inhalt einer gesamten Lochkarte zunächst speicherte. Daher vergab IBM die Lizenz zum Nachbau des Erfolgmodells 029. 1971 kostete der IBM 029 ca. stolze 15.500 DM (ca.8000 €).

UNIVAC Stanzer 1710

UNIVAC Lochkartenstanzer 1710

Der Univac 1710 kam zeitgleich mit der UNIVAC 9400 Computeranlage im Jahre 1969 auf den Markt. Univac wollte damit seinen Konkurrenten IBM toppen indem dieses Gerät weitgehend elektronisch gesteuert wird, extrem schnell arbeitet und vielseitig ist. Das war zwar aufwändig, brachte aber einige Vorteile:
Da die Lochkarten zuerst gelesen und die Daten in einem Kernspeicher abgelegt werden, konnte man zwei Stanzprogramme (z.B. Feldsprünge) und auch den Inhalt einer Datenkarte speichern (für das Duplizieren von Lochkarten). Die Information von neu zu stanzenden Karten wurde Spalte für Spalte eingegeben, ohne dass sich die Karte bewegt. Daher sind Korrekturen vor dem Ausstanzen möglich. Der Stanz- und Beschriftungszyklus erfolgt nach der vollständigen Dateneingabe in beachtlichem Tempo. Außerdem hat der Stanzer zwei Kartenzuführungen sowie zwei Kartenablagen (jeweils für Programm- bzw. Datenkarten).
Als Speicher dient ein Kernspeicher mit 12x80x2 Ringkernen. Mit diesem Gerät konnte man damit auch gestanzte Karten nachträglich beschriften (Lochschriftübersetzer) und gelochte Karten auf richtige Lochung überprüfen. Bei allem Respekt vor der elektronischen Logik hatte der Stanzer aber Probleme mit der Mechanik: Die Beschriftung mittels Typenrad war leicht flatterhaft und der Karteneinzug problematisch, wenn die Einstellungen nicht 100%ig stimmten.

Sortiermaschinen

IBM 082 SortiermaschineIBM 082 Sortiermaschine Offen

IBM 082 Sortiermaschine
Diese Sortiermaschine wurde ab 1949 gebaut.
Funktionsweise des Lochkartensortierers

IBM 083 Sortiermaschine

IBM 083 Sortiermaschine
Gegenüber dem Modell 082 wurde die Sortiermechanik wesentlich verbessert. Die Maschine kann 1000 Karten pro Minute sortieren. Das sind ca. 16 Stück pro Sekunde. Sehr viel mehr ist wegen der Trägheit der Mechanik auch nicht möglich. Dieser Typ wurde ab ca. 1958 gebaut. Dahinter steht ein Sortiergestell mit viel Glas, welches genau so viele Sortierstellen wie die Maschine hat. Es dient zur Zwischenlagerung bei Mehrfachsortierungen.
Funktionsweise des Lochkartensortierers

Lochkartenmischer

IBM 077

IBM Lochkartenmischer 77

Hier ist die Rückseite des 1959 gebauten Gerätes ohne Gehäuse zu sehen. Der Mischer liest 480 Karten/Minute und kann z.B. die Reihenfolge von Kartenstapeln verändern, Duplikate suchen und gegebenenfalls aussondern oder 2 Stapel vergleichen und Unterschiede feststellen. Er ist im übertragenen Sinne eine Art mechanische Datenbankabfrage und Updatemaschine.
Die Programme können durch Austauschen einer mit Steckkabeln bestückten Schalttafel gewechselt werden.
Wie bei den anderen Lochkartenmaschinen bilden viele Relais und durch Nockenwellen gesteuerte Schalter die Elektronik. Für die Techniker aus dieser Frühzeit war das "Ölkännchen" zur Pflege der vielen Lager genauso wichtig wie ein Messgerät.
Funktionsweise des Lochkartenmischers

Bull Lochkartenmischer

Bull Lochkartenmischer Typ 56.00.

Dieser Lochkartenmischer ist ein gigantisch großes Gerät mit viel Chrom (symbolisiert Werthaltigkeit). Knapp 1000 Relais wurden hier verbaut um diverse Mischfunktionen per verkabeltem Programmfeld zu realisieren. Auch das Mischen und Sortieren in einem Arbeitsgang war dadurch möglich. Je nach Anwendung können 250 bis 500 Lochkarten in der Minute verarbeitet werden.

Lochschriftübersetzer

IBM 548

IBM 548

Ein riesiger Lochschriftübersetzer von IBM. Er kann 60 Karten/Minute nach vorgegebenen Kriterien in 60 Spalten auf der Kopfzeile beschriften. Der Übersetzer kennt nur alphanumerische Zeichen und keine Sonderzeichen. Dafür ist die Schrift relativ groß und sehr gut lesbar.
Vorne ist das Programmierfeld zu sehen.
Nach dem Duplizieren von Lochkarten ist eine Beschriftung mittels IBM 548 sehr hilfreich.